zurück zur Berichtsauswahl   Home

Exkursionsbericht

 

Mineralien-Exkursion Gauli-Gebiet/BE


Was da auf uns zukam am 2.August hatten wir ja schon geahnt. Zum einen laut Vorhersage ein sehr gemischtes Wetter mit wenig Sonne und Schwerpunkt Wolken, Nebel und Niederschlägen. Dagegen war nichts zu machen außer gute Kleidung einzupacken. Zum anderen die 1400 Höhenmeter vom Parkplatz bis zur Gauli-Hütte. Da wäre einiges zu machen gewesen mit Training und etwas Zurückhaltung bei den Bierchen. Die Alternative war dann eben Schwitzen, Atemnot, Muskelkater und etwas mehr Zeit als die Wegweiser dem gestählten Wanderer einräumen.

Die Bietigheimer Teilnehmer starten sicherheitshalber bereits um 9 Uhr, während die Schweizer sich nochmals im Bett umdrehen, die Nationalhymne vom Vortag im Ohr und lodernde Scheiterhaufen vor Augen (vielleicht auch die eine oder andere Kommazahl noch im Blut?). Ihr Aufstieg beginnt kurz nach 12 Uhr vom Parkplatz am Ende der Fahrstraße im Urbachtal bei Innertkirchen.

Der Weg ist auch in den steilen Stücken meist gut zu gehen, zuerst mäßig ansteigend, die letzten 600 Meter aber sehr steil und hier sind auch mehrere Stellen nur mit Hilfe der Hände zu überwinden. Weit über uns im Gebiet der Dossenhütte kreisen lange Zeit Hubschrauber. Später erfahren wir, dass zwei Wanderer auf dem Weg über die Gletscher zur Gaulihütte umgekommen sind. Wir erreichen erschöpft bis total erschöpft die höchste Stelle des Wegs (2216 m) am Tälligrat mit schöner Aussicht auf den Matten-See steil unter uns. Auf relativ ebenem Weg kommen wir nach weiteren 30 min zur Gaulihütte.

Nach und nach treffen auch die später gestarteten ein. An eine Strahlertour noch an diesem Tag ist aber nicht zu denken. Dafür ist das Fundgebiet zu weit und der Körper zu unwillig. Die ersten Rufe nach einem "Notbier" werden laut. Das gibt es dann zum guten Abendessen. Um 10 Uhr ist "Nachtruhe" - theoretisch zumindest. Denn in unseren Reihen befinden sich die Weltmeister im Pflicht- und Kür-Schnarchen. Da hilft nur Meditation: "mir genügt es völlig zu ruhen". Renate geht das Problem rigoroser an uns stubst den völlig unschuldigen Beinahe-Schläfer Kurt.

Der Samstag beginnt mit Sonne und dem Aufstieg in Richtung Chammligrat. In kleinen Gruppen wird das Gelände erkundet. Einige bereits ausgeräumte Klüfte geben Hoffnung auf gute Funde. Allerdings waren wohl schon recht viele Strahler hier unterwegs. Einige Kristall-Spitzen und -Grüppchen sind immerhin zu finden. Die schönsten Stufen holt Leo aus einer reifen Kluft. Jürgen versucht sich an einer Kluft, in der ziemlich weit hinten eine schöne Gruppe 2 - 3 cm großer Bergkristalle glänzt. Es bleibt aber bei einer rein optischen Begegnung, da es unmöglich scheint, die Gruppe zu bergen, ohne sie völlig zu zerstören.

Während der Mittagspause reißen Wolken und Nebel nochmals auf, so dass wir auch die Aussicht genießen können. Dann wird es aber leider immer nebliger, und der Nieselregen zwingt uns schon gegen 14 Uhr zum Abstieg. Auf Schneefeldern geht das nach Tom's Vorbild ganz flott und kräftesparend. Im Geröll allerdings wird's extrem rutschig. Hartmut stürzt und schneidet sich an einer scharfen Kante den Handrücken auf. Eine tiefe Wunde muss versorgt und der Schock erst einmal verarbeitet werden, bevor an weiteren Abstieg zu denken ist.

Zum vereinbarungsgemäß spätesten Zeitpunkt 17 Uhr sind bis auf 2 Teilnehmer längst alle in der Hütte. Gegen 18 Uhr machen wir uns ersthafte Sorgen um die beiden, die dann endlich doch noch aus dem Nebel auftauchen. Zur Besänftigung gibt's einen "Gauliwein".

Für eine Förderung der Wundheilung mit Ying und Yang konnte sich Hartmut allerdings nicht begeistern.

Das Abendessen beginnt mit Gemüsesuppe mit frischem Blumenkohl (der Hubschrauber war da), dann Salat mit "Indianerbohnen", Schweinefleisch mit Puree, als Nachspeise eine Meringe. Man lebt nicht schlecht hier oben... bis auf das Schlafen, aber das hatten wir ja schon.

Dass es sehr langsame Schweizer gibt, ist kein Vorurteil, wie wir am frühen Sonntag-Morgen feststellen müssen. Eine Gruppe von "Bernern" steht um 5 Uhr auf mit viel Getöse. Um 6:30 Uhr rumoren sie immer noch im Schlafraum herum, und während wir gemütlich um 8 Uhr frühstücken, machen sie sich endlich auf zu ihrer Tour.

Uns steht nun der Abstieg bevor, der uns bei Sonnenschein zunächst steil abwärts führt zum Matten-See, dann wieder ein Stück hoch mit Drahtseil-Sicherung und mit Leo im Eilschritt voraus hinab zum Parkplatz.

Der Abstieg weckt wieder einen dringenden Bedarf an „Notbier“, und so beenden wir in Innertkirchen die Tour auf der Terrasse einer Gaststätte. Es regnet schon wieder. Aber wenn man bedenkt, dass 1 Woche später halb Europa im Regen fast ertrinkt, haben wir doch Glück gehabt mit dem Wetter!!!

Dank unserer Schweizer Freunde konnten wir wieder alpine Sammelfreuden erleben, die uns sicher noch lange in Erinnerung bleiben werden. Auch der vereinzelt zu hörende Ausspruch "Nie wieder Gauli" wird sich, nachdem der Muskelkater vergangen ist und die Blasen verheilt sind, sicher relativieren und die Vorfreude auf die nächste Tour überwiegen lassen.

Text: Klaus Vogt

zurück zur Berichtsauswahl   Home