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Exkursionsbericht

 

Mineralien-Exkursion Granatenkogel, Österreich     

Leitung: Tom Schläpfer

Am Freitag so um 12 Uhr fing diese aussergewöhnliche Exkursion an. Von Baden über Zürich, Winterthur Richtung Ostschweiz waren wir unterwegs zur Landesgrenze. Während der langen Autofahrt kam der Vorschlag, die Kristallhöhle in Kobelswald zu besuchen, sie liegt ja beinahe am Weg. Es wurden Mutmassungen angestellt, was uns wohl dort erwartet, ist doch das Säntisgebiet nicht gerade als sehr kristallreich bekannt (lokale Ausnahmen bestätigen die Regel, z.B. Fluorite in der Dürrschrenner-Höhle bei Wasserauen). Die Höhle liegt oberhalb des Dorfes im Wald. Vom Parkplatz geht’s noch ca. 10 min. zu Fuss bergauf. Die Höhle kann nur in Begleitung eines Führers aufgesucht werden. Und sie verdient ihren Namen als Kristallhöhle zu recht. Im Innern sahen wir nebst Tropfsteinen ganze Wände voller Calcit. Noch während des 2. Weltkrieges sei hier für die Industrie Calcit abgebaut worden. Nun ist das Ganze unter Naturschutz und für interessierte Besucher zugänglich.

Nach diesem Abstecher ging es weiter Richtung Ötztal. Gegen Abend sind wir dann in Obergurgel angekommen. Die einen waren schon da, andere kamen gerade rechtzeitig zum reichhaltigen, währschaften Nachtessen. Und danach das wohlverdiente gesellige Zusammensitzen nach einem so strengen Tag (immerhin 6 Std. Autofahrt).

Leo und Christian mussten schon ein wenig früher ins Bett, immerhin haben sie sich am nächsten Morgen in aller Frühe mit einem einheimischen Strahler verabredet, der sie bis zur Gipfelregion des Granatkogels, ans Anstehende der Granate, führen will.

Am Samstagmorgen, nach einem kraftspendenden Frühstück gings los. Zuerst mal ganz gemächlich mit der Luftseilbahn auf den Bruggboden und von dort in einer ca. 2-stündigen Bergwanderung über herrliche Blumenwiesen zum Gletscher. bzw. dessen Moräne wo die Granate nur so herumliegen. Es hat für jeden etwas. Aber natürlich wollten wir nicht einfach nur 'etwas', sondern die schönen, grossen Granate.

Am Granatkogel finden sich die Eisen-Aluminium-reichen Almandine. Die zwölfflächigen Rhombendodekaeder sind im Chloritschiefergestein festgebacken wie Rosinen in einem Kuchen. Granate findet man nicht nur am Granatkogel. Im ganzen Gebirgszug, den Schneebergzug mit seinem metamorphen Gesteinskomplex aus Gneisen und Glimmerschiefer können Almandine gefunden werden. Entstanden sind sie in der Oberkreide, vor rund 85 bis 90 Millionen Jahren, als die Gesteine des Scheebergzuges auf eine Temperatur von 540 – 560 Grad Celsius aufgeheitzt wurden. Dies bei einem Druck von 3500 – 5000 Atmosphären und einer Tiefe von 10 – 15 Kilometern. Unter diesen Bedingungen begann das Gestein seine Chemie zu verändern. Aus den weichen Tonablagerungen entstanden die Chlorit- und Glimmerschiefer und die Almandine kristallisierten aus dieser Schmelze. Durch die hohen Drucke und die Gebirgsfaltung sind sie riesig und somit nicht schleifwürdig, aber doch sehr hübsch zum Ansehen. Soviel zur Theorie.

Die ersten verschlagenen Stücke sind schnell aufgelesen und genau so schnell wieder zur Seite gelegt worden, als Tom mit seinem Adlerblick die ersten sammelwürdigen Brocken fand. Das gute Material ist nicht auf dem Gletscher, sondern in, bzw. auf der Moräne. Zusammen mit Adolf zerklopfte ich einen grösseren Block. Einige der Granate zersprangen. Natürlich wären es immer die grössten und schönsten gewesen. Ob all der Arbeit vergass Adolf sein Mittagessen, was sich später noch bitter rächte. Auch Miggi hat in gewohnter Manier schnell den Rucksack mit Steinen gefüllt. Um drei Uhr wäre Abmarsch gewesen. Doch dann wurde erst mit dem Einpacken begonnen. Es ist ja immer das gleiche, wenn man erst mal an der Fundstelle ist und ungefähr weiss, auf was man achten sollte, ist es Zeit zum Runtergehen.

Mit Verspätung sind wir dann aufgebrochen. Ekaterina und Thomas wählten den Weg zurück zur Mittelstation. Und von dort runter mit der Sesselbahn. Wir anderen überquerten den Gletscher und stiegen die Moräne zur Bergstadion Hohen Mut hinauf. Bald einmal mochte Miggi nicht mehr Schritt halten. Bereitwillig hat Tom ihr erst mal den Rucksack übernommen. Mann, war der aber schwer! Als auch dies nicht viel half, wurde dem Schwächeeinbruch nachgegangen. Leider hat Miggi den Mittagslunch im Tal vergessen. Also ein richtiger Hungerast. Mit Traubenzucker und Schokolade konnte dem abgeholfen werden. Bald darauf hatte auch Adolf seinen Hungerast. Das bedeutete nochmals eine kurze Rast. Und die Zeit verging. Einmal auf dem Grat oben ging es dann in mässiger Steigung über eine Krete um die andere. Hinter jeder erhofften wir die Seilbahn. Aber die war halt noch immer weit entfernt. Als wir sie dann doch erreichten, mussten wir enttäuscht feststellen, dass der Betrieb bereits eingestellt und das Restaurant geschlossen ist. Wie weiter?

Nach kurzem Beratschlagen liessen wir die prallgefüllten Rucksäcke oben und sind die ca. 700 Höhenmeter runter gewandert. Ein bisschen geärgert hat uns dieses Missgeschick schon. Müde und erschöpft kamen wir dann im Hotel an. Wenigstens dieses Bier war wohlverdient. Auch das Abendessen gab wieder neue Kräfte. Neugierig hörten wir den Abenteuern von Leo und Christian zu. In aller Frühe waren sie schon aufgebrochen. Natürlich fuhr zu dieser Zeit noch keine Sesselbahn. Auch der geländegängige Landi von Leo nützte nicht viel – wegen Fahrverbot. Aber die beiden sind ja in ausgezeichneter Kondition. Nur dort, in der Felswand, als sie mittels Fixseilen zur Abbaustelle hochklettern mussten, wurde es dem Christian doch etwas mulmig. So vertrauenserweckend sahen die Seile nicht mehr aus. Und die Felswand war hoch. Aber die Mühen hatten sich gelohnt. Mit prächtigen Stücken kamen sie herunter.

Am Sonntagmorgen war unser Trüpplein halt nochmals zur Seilbahnstadion gepilgert und zur Hohen Mut raufgefahren, um die Rucksäcke zu holen. Zum Glück war alles noch so da, wie wir es drapiert hatten. Glücklich kamen wir wieder runter. Der leichte Nieselregen störte uns nicht, Hauptsache wir hatten unsere Souvenirs. Und mit kleinen Zwischenaufenthalten ging es wieder heimwärts.

Als Gast möchte ich mich nochmals ganz herzlich bei Tom, dem Organisator dieser Exkursion, und allen übrigen Aargauer Mineralienfreunden für die herzliche Aufnahme bedanken.

Text: Renato Müller / Effretikon

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