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Exkursionsbericht

 

Mineralien-Exkursion Grimsel   

Leitung: Markus Schmid und Christian Brodmann

An erster Stelle möchten wir Christian und Markus danken für die Organisation und Durchführung dieser Tour. Sie haben uns in ein wunderschönes Berggebiet geführt. Auch das Wetter war uns gut gesinnt.

Das Grimselgebiet besteht aus Granodiorit. Der Name sagt schon, das es sich um ein Gestein zwischen Granit und Diorit handelt. Es ist ein magmatisches Gestein. Granodiorit gehört zu den 4 häufigsten Intrusivgesteinen. Er lässt sich makroskopisch kaum von Granit unterscheiden. Der Granodiorit enthält: Quarz (20-60%), Alkalifeldspat (meist Orthoklas), weiter saurer Plagioklas, Amphibol und Biotit. Die dunklen Gemengteile betragen 5-25%. Granodiorit ist weltweit verbreitet und wird z.B. für Pflastersteine und Grabdenkmäler verarbeitet.

Der Grimsel-Granodiorit macht einen Teil des Zentralen Aaregranits aus. Dieser zentrale Aaregranit bildet das langgestreckte Rückgrat des Aarmassivs. Mit seinen über 500 km2 ist es der grösste Granitkörper der Schweiz, mit einer Länge von 100 km und einer max. Breite von 9 km. Im Grimselgebiet hat die Erosion eine der grossartigsten Granitlandschaften der Welt herausgearbeitet. Entstanden ist die Hauptmasse des Granits vor 300-330 Mio Jahren.

Dass dieses Granitmassiv im Berginnern noch mehrere, bei der Alpenbildung entstandene Klüfte mit schönen Kristallen enthält, lässt sich vermuten, wenn man die Gerstenegg-Kristallkluft anschaut. Wir als einfache Hobbystrahler müssen uns abfinden mit dem, was an der Oberfläche zum Vorschein kommt. Es wurde aber schon seit vielen Jahren gestrahlt und viele Klüfte sind schon ausgeräumt. Deren früheren Inhalt kann man in den Kristallmusea in Obergesteln, Guttannen und Brünigen bestaunen.

Mit diesem Wissen im Hintergrund haben wir diese Exkursion angefangen. Als wir am Samstag auf der Grimsel ankamen, waren die meisten Teilnehmer des ersten Tages schon zum Aufbrechen bereit. Also schnell Schuhe an, Rucksack angeschnallt und auf geht es. Die Sonne gab sich alle Mühe, die doch noch mit viel Schnee gespickte Landschaft ein wenig aufzuwärmen, aber ein kalter, starker Wind sorgte dafür, dass wir unsere Jacken anhalten mussten. Die Wanderung ging vom Parkplatz dem Totensee entlang, den Berg hinauf. Schon nach wenigen Schritten gab es die ersten ausgeräumten Klüfte. Eine mit noch Werkzeug darin und eine mit einer Rückwand mit schöner Einschnürung, genau so, wie es die Bücher als Kluftanzeige deuten. So konnte Markus schon die erste Lektion geben, wo man strahlen darf und wo man eine Chance hat, was zu finden.

"Viel laufen" mussten wir nicht, denn schon gleich waren wir am Ziel unserer Exkursion. Alle verteilten sich auf den Hang, nach rechts, links und wir, unser Sohn Hans und ich, nach oben. Der Hans witzelte "ich könnte besser mit ihm weitergehen, er würde ja sowieso den Fund des Tages machen" (am Abend wussten wir wohl besser!). Der ganze Hang war voller Löcher, unsere Vorgänger waren fleissig. Wir wollten zuerst mal nachsehen, ob im Aushub oder in der Kluft noch etwas zurückgeblieben war. Erstaunt mussten wir aber immer wieder feststellen "nicht einmal eine beschädigte Spitze haben die hier zurückgelassen". Die Frage tauchte schon bald auf, wofür haben unsere Vorgänger hier einen so grossen Aufwand gemacht? Es liess sich nichts aus den Resten herauslesen. Nach Christian und Markus sollte es hier Rauchquarze und Adular geben. Tatsächlich fanden wir dann ein kleines Klüftchen mit wenig, nicht herauslösbaren Resten, aber weiterhin nichts, was wir mit nach Hause nehmen konnten.

Wie ich so vernahm, hatten die meisten wohl die gleiche Erfahrungen gemacht. Nur Otto und Peter hatten in einer Tasche unter einem Quarzband eine schöne Stufe gefunden. Sie hatten für den Samstag das grosse Glück gehabt. Mal sehen, wer der Glückliche am Sonntag ist, Hoffnung ist des Strahlers grösster Freund!

Auf dem Rückweg mussten wir uns aber eingestehen, dass wir wieder etwas dazu gelernt haben (Wir hätten nämlich das Quarzband eher von oben her geöffnet, was, wie Otto uns belehrte, nur verwitterte Stücke gebracht hätte. Man sollte es besser von unten her anpacken!) Ein schöner Tag war es trotzdem, mit "Gleichgesinnten" in einer schönen Umgebung und dazu unter Leitung von Markus und Christian, schön!

Nach dem gemächlichen ersten Tag, war für Sonntag eine anspruchsvollere Tour vorgesehen. Die Teilnehmerzahl war entsprechend reduziert. Von den etwa 20 Teilnehmern am Samstag blieben schlussendlich nur noch sieben, wieder unter Leitung von Christian und Markus. Auf ruhige Art sind wir von der Grimsel, Richtung Nägelisgrätli hochgestiegen und wir haben uns die Zeit genommen, die Naturlandschaft zu bewundern. Oberhalb der Grimsel sieht man sehr schön die von den eiszeitlichen Gletschern geprägte Granitlandschaft. Die Schliffgrenze reicht bis kurz unter die Gipfelgräte. Man erkennt sehr gut die Reste der eiszeitlichen Eismassen. Das ganze Panorama ist eindrucksvoll mit dem Matterhorn einerseits und dem Rhonegletscher auf der anderen Seite. Zwei bis 2,5 Stunden dauerte der Aufstieg zum Fundgebiet Nägelisgrätli. Christian erklärte uns das Gebiet und die Fundmöglichkeiten, so, dass wir nach einer kurzen Lunchpause an die Arbeit gingen.

Rasch war klar, dass Christian das Gebiet gut kannte. Er ging schnurstracks auf eine "ausgeräumte" Kluft zu. Er verlängerte sich mit einem Haken von ca. 1 Meter und schob sich dann in der ganzen Länge in die Kluft hinein. Jedesmal, wenn er wieder auftauchte, brachte er Rauchquarze zum Vorschein. Die von ihm angewandte Technik führte dazu, dass die Qualität der gefundene Rauchquarze immer besser wurde.

Aber auch Röbi zog aus einer verlassenen Kluft eine schöne Rauchquarzspitze hervor; entdeckte dann aber an der Kluftdecke noch Kristallspitzen. Nachdem mit vereinten Kräften ein Granitblock auf die Seite geschafft werden konnte, machte sich Röbi an die Arbeit. Dass das Gestein nicht ausgelaugt war, wurde ihm rasch klar, aber er hielt durch. Und es hat sich gelohnt. Zwar war durch das viele Schwitzen der Wasserspiegel im Kluft etwas angestiegen, dafür aber konnte Röbi mehrere Rauchquarzgrüppchen herausnehmen. Die anderen Teilnehmer waren nicht ganz so glücklich, aber die meisten fanden doch etwas.

Während unseres Schaffens wurden wir regelmässig durch eine Gruppe Berner Schafe zugerufen. Auch der Hirt hat sich die Mühe genommen, uns zu begrüssen. Nach einem wunderschönen Strahlertag haben wir uns am späten Nachmittag getrennt. Wir haben noch eine Ferienwoche im Goms angehängt und die anderen sind ins Aargauische zurückgekehrt.

Text: Dora und Jo Roelofs

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