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Exkursionsbericht

 

Fossilien-Exkursion Monte San Giorgio, Tessin

Leitung: Georg Burkhard mit der Tessiner Sektion CCMFT

Nach schlechter Wettervorhersage zeigt sich das Wetter im Tessin von seiner besten Seite. Bereits am Morgen bei der Anfahrt scheint die Sonne, und die Feuchte verdampft am Morgenhimmel.

Bei der Stazione Mendrisio treffen wir unsere Tessiner Kollegen. Wie es sich gehört, werden wir auf italienisch begrüsst. Zum Glück sprechen zwei Tessiner Kollegen auch deutsch. Unsere Kenntnisse der italienischen Sprache beschränken sich leider auf das Bestellen von Wein und Spaghetti.

Von der MFFA waren die Familien Friedli und Keymer sowie Frano Frljic und Georg Burkhardt dabei. Erstaunt hat uns, dass unsere Tessiner Kollegen mit der ganzen Familie (Hund inklusive) an der Exkursion teilnahmen. Das gemeinsame Treffen, Suchen, Essen und Plaudern scheint bei ihnen einen höheren Stellenwert als in unserer Region zu haben. Die Fundaussichten scheinen eher weniger wichtig zu sein.

Der Weg zur Fundstelle am Monte San Giorgio beginnt bei der Kapelle Serpione kurz vor dem Kurort. Hier stossen noch Kollegen aus Italien zu unserer Gruppe. Somit sind wir über 30 Personen, die den Berg in Angriff nehmen.

Kleine Einführung in die Geologie:

Im südlichen Tessin wird das Kristallin und die Vulkanite überlagert von mesozoischen Sedimenten; etwas verfaltet, gekippt und von Brüchen durchsetzt fallen sie generell nach Süden ein. Am Monte Brö und Monte Generoso sind es Lilas-Sedimente; am Monte San Giorgio dagegen sind es Trias-Sedimente.

Diese Trias-Sedimente bestehen aus Sandsteinen, Dolomiten, Kalkstein, Schiefer und einer Grenzbitumenzone. Die Grenzbitumenzone besteht aus einer Wechsellagerung von schwarzen bituminösen Schiefern und bituminösen Dolomitbänken. In dieser Grenzbitumenzone der anisischen Stufe der Trias befinden sich die weltberühmten Saurierfundstellen. Die Schweiz besitzt am Monte San Giorgio Fossillagerstätte von internationalem Rang. Bituminöse Schiefer und Dolomite bergen hier eine vielfältige Tierwelt (Wirbellose, Fische und Reptilien) aus dem Erdmittelalter. Sie gehören der Mitteltrias an und sind ca. 200 Mio. Jahre alt.

Die Paläontologen der Universität Zürich untersuchen und bearbeiten schon mehrere Jahre dieses Gebiet. Die schönsten Fundstücke sind im Paläontologischen Museum in Zürich ausgestellt. Paläontologie ist eine Lehre von den Lebewesen der Vorzeit. Als Teilgebiet der Biologie erstrebt sie eine Rekonstruktion der Geschichte des Lebens auf der Erde.

Für das gesamte Gebiet am Monte S. Giorgio besteht ein Grabverbot. Nur einmal im Jahr erhält die Sektion Tessin eine Tagesbewilligung. Es wäre unverzeihlich, wenn wir diese Möglichkeit zu graben und zu klopfen verpassen hätte.

Nach rund 20-minütigem Spaziergang auf dem Sentiero naturalistico sind wir bereits am Ziel. Bei den Fundstellen handelt es sich um Halden eines ehemaligen Bergwerkes. Reste von Werkzeugen und Schmalspurgleisen sind immer noch zu finden. Dagegen sind die Stollen zerfallen und nicht mehr auffindbar. In den 30-er Jahren wurden in den Stollen Grenzbitumen abgebaut und zu einer Grundlage für Pasten und Salben weiterverarbeitet.

Nach kurzer Einführung wird dann eifrig geklopft und untersucht. Die Steine riechen nach Mineralöl, und die Luft nach Bärlauch. Jeder Stein muss umgedreht und zerschlagen werden.

Bald kommen die ersten Funde zum Vorschein. Teilweise sind die Steine durchsetzt mit kleinen Versteinerungen. Es gibt zwei verschiedene Zonen:

1 . Graue: harte Kalksteine mit auskristallisierten Ammoniten. Hier fanden wir Ammoniten (Parakeilnehtes) auskristallisiert mit Quarz, Calcit, Pyrit, Dolomit und Zinkblende.

2. Graubraune: geschichtete Bitumenlagen mit flachen Versteinerungen. Hier gelingen Funde von Pflanzen, Muscheln (Daonella), Fischen und Ichthyosaurier. Unser Glückspilz Frano fand so ein Tier. Es sieht sehr ähnlich dem Ichthyosaurus quadriscissus, der im Ortsmuseum ausgestellt ist.

Bis am Mittag wird eifrig geklopft. Anschliessend geniessen wir an der Sonne ein verdientes gemütliches Tessiner Mittagessen mit herrlichem Blick auf den Luganer See und Monte San Salvatore. Durch die Verständigungsschwierigkeiten sind die Kontakte zu unseren italienisch sprechenden Kollegen doch eher zaghaft.

Am späten Nachmittag werden die Klopfzeichen dann immer schwächer und die Arme immer schwerer. Ein Teil der Teilnehmer macht sich auf die Heimreise. Der Rest besucht noch das örtliche Museum in Meride, nicht mit Melide am Ufer des Luganer Sees zu verwechseln. Das kleine Museum bietet einen ausführlichen Exkurs in die Fossilienfunde am Monte San Giorgio an. Ein Teil der Ausstellung ist dem Präparieren gewidmet. Ebenso schwierig wie die kunstgerechte Bergung der Fossilien ist ihre Präparation. Präpaheren - eine Kunst! Die neueste Methode ist das Sandstrahlen.

Beim gemütlichen Beisammensein in einer Grotta Ticino werden zum Schluss die Funde analysiert und der Durst gelöscht.

Wir möchten unseren Tessiner Kolleginnen und Kollegen herzlich danken für ihre offene und freundliche Aufnahme, besonders Franco Brughera für ausführliche Informationen in deutscher Sprache. Es war eine gelungene Exkursion, und wir hoffen, dass wir uns bald mit einer gemeinsamen Exkursion in unserer Region (natürlich mit auserwählten Rebensäften) revanchieren können.

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