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Exkursionsbericht 

 

Mineralien-Exkursion Vogelsberg (Hessen), Deutschland

Leitung: Mineralienfreunde Solothurn

Exkursion zu den Zeolith-Fundstellen in der Region Vogelsberg (Hessen)

Mineralien Sammeln bedeutet auch, Kontakte zu Gleichgesinnten zu pflegen. Manchmal ergibt sich so eine Einladung zu neuen, noch unbekannten Fundstellen. So konnten am Wochenende vom 15./16. April Leo Klemm, Christian Brodmann und Renato Müller als Gäste des Solothurner Mineralienclubs die Zeolithfundstellen in der Region Vogelsberg (Hessen) besuchen. Die Gegend um den Vogelsberg (nordöstlich von Frankfurt) ist bekannt als eine der grössten mehr oder weniger zusammenhängenden Basaltmasse in Europa. Wie der tertiäre Vulkanismus die Gegend umgestaltete, ist noch nicht geklärt. Es gibt keine einheitliche Basaltdecke, sondern zahllose Lavaströme, einen vielfachen und vielfältigen Wechsel von Lockerprodukten und basaltischen Varietäten, von denen oft mehrere in ein- und demselben Aufschluss aufeinander lagern.

Bei leichtem Nieselregen traf sich die Truppe von ca. 20 Unentwegten auf dem Steinbruch bei Gaulsberg unweit der Ortschaft Ortenberg, um sich unter der kundigen Führung von Hartmut Stöckle und weiteren Kollegen vom Bietigheimer Verein die erste Fundstelle zu 'bearbeiten'. Bei Ortenberg tritt ein von Bundsandstein umgebener Basaltschlot mit einer Dicke von bis zu 250m zutage. Zuhinterst in diesem Steinbruch sei auch die gute, sprich mineralienführende Stelle. Am Fusse einer hohen Wand lagen die dunkelgrauen Brocken. Und nun hiess es, den schweren Vorschlaghammer schwingen. Ganz schon hart, dieser Basalt. Jeder war bald einmal froh, dass der Himmel noch immer verhangen war. Bald einmal stellten sich die ersten Funde ein. Besonders häufig kommen Natrolith, Nontronit, Phillipsit, Saponit und andere Zeolithe vor. Von dieser Fundstelle sind in der Literatur insgesamt 45 Mineralien bekannt. Wie bei Basalten üblich, ist vor allem die Zeolith-Gruppe stark vertreten. Es wurden in der Vergangenheit aber auch Calcit und ganz wenige Quarze gefunden. Schon sehr bald konnte ich eine ca. 8 cm grosse Natrolithkluft zu meinem Depot legen. Es blieb aber mein einziges grosses Stück. Diese Zeolithe sind doch eher eine Sache für Micromounter.

Nach ca. 2 Stunden gings weiter zur nächsten Fundstelle bei der Ortschaft Gedern. Tja, leider hat es auch in den Tagen vorher schon geregnet, so dass der Weg zur Fundstelle von einem ca. 30m langen und über den ganzen Weg breiten See bedeckt war. Trotz Gummistiefel wollte niemand so recht ausprobieren, wie tief diese Barriere war. Zum Glück sind Strahler ja geländegängig, so dass der Weg über die Flanken von allen gemacht werden konnte. Hinten war die Fundstelle an einer nur etwa 20m breiten Flanke. Es war also ein bisschen eng. Bis auf eine Ausnahme konnten sich auch alle Teilnehmer mit dieser Situation abfinden. Diejenigen die weiter oben die Phonolithe (jetzt,wo ich den Klang gehört habe, weiss ich auch warum diese Steine so genannt werden) zerklopften, mussten halt ein wenig aufpassen mit dem Steine nach unten entsorgen. Gefunden wurden dort hauptsächlich Calcit, Chabasit und Phillipsit. Insgesamt sind in der Literatur von dieser Fundstelle 7 Mineralarten bekannt.

Von dort fuhren wir dann nach Schotten, dem touristischen Hauptort der Region Vogelsberg. Die Region ist bekannt für seine Naturschönheiten und ist als Naherholungsgebiet von Frankfurt nicht nur bei Wanderer sehr beliebt. Die Ortschaft wurde schon 810 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Der Name kommt von den schottischen Mönchen die dort eine Kirche erbauten. Das Hotel war gemütlich und das Essen gut und reichhaltig.

Am nächsten starteten wir dann zum aktiven Steinbruch in Ober-Widdersheim. Dort bildet ein schwarzgrauer, feinkörniger Basalt einen mächtigen Gesteinskörper, der als Subfusion in Tuffgestein eingedrungen ist. An den Kontaktstellen bildet er Breccienbildung und ist in den unteren Sohlen säulig abgesondert. Die Grenzflächen des Basalts sind stark zersetzt, in ihnen finden sich die mineralgefüllten Hohlräume. Die Fundstellen waren überall verteilt, doch die besten Funde machte Christian oben an einer steilen Stelle. Wahrscheinlich deshalb, weil dort noch nicht allzuviele Sammler jeden Stein umgedreht haben. Gefunden wurden Chabasit, Calcit, Phillipsit, Montmorillonit (als gelbes, krustiges Mineral) nebst anderen. Insgesamt sind von dort 12 Mineralien beschrieben. Am frühen Nachmittag gings dann wieder auf die lange Autofahrt nach Hause. Aber schön wars!!!

Fazit: Für Zeolith-Sammler und Micromounter ist die Region Vogelsberg interessant. Als Vorbereitung für eigene Touren habe ich unten einige Literaturangaben aufgeführt. Bitte beachtet, dass die besuchten Fundstellen aktive Steinbrüche sind und unbedingt eine Erlaubnis eingeholt werden sollte. Ein Schutzhelm ist obligatorisch.

Literatur:

Mineral-Fundstellen Bd. 7 Hessen von Dr. H.-J. Wilke; Christian Weise Verlag

Lapis Juni 1979

Internet !!! z.B. http://home.t-online.de/home/g.m.e.b.schuster/ehome.htm

Text: Renato Müller

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